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Bewegungs-
erziehung

Wie könnte ich praktisch mit einem Hund über den Kommunikationsparameter Bewegung kommunizieren, um am Ende RangOrdnung und soziale Vereinbarungen getroffen zu haben.
Das ist simpel, wir müßen nur artgerecht bleiben, das ist nie kompliziert und der Lerneffekt beim Hunden ist gering, es ist alles schon da.
Wir arbeiten in 3 Phasen.
1-Kontrolle (Positionierung)
2-Führung (Bewegung)
3-Freilauf (beides möglich)
analog zu
1-Befehl
2-Spiel (Arbeit)
3-Freilauf

Beispielübung:
Schnapp dir den Hund, renn mit ihm los.
Er rennt mit. Bleib stehen, zeig ihm kurz deine dominante kontrollierende Seite, bring ihn zum anhalten, eventuell in Sitz oder Platz, renn wieder los, bleib wieder stehen, entspann dich, wrte bis er es auch tut, aber aufmerksam bleibt, spiel und rauf kurz mit ihm. Bring ihn körpersprachlich zum Innehalten. Renn wieder los etc.

Noch eine Übung:
Schnapp die ein Beutesymbol, z. B. einen Fußball.
Renn und spiel mit deinem Hund, bring ihn zum anhalten. Kick den Ball weg, er darf nicht loslaufen. Dann rennst du wieder mit ihm, gibst ihn frei, er kann den Ball auch haben.

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Kommunikationsparameter Bewegung

Über alle Grenzen einer Spezie hinweg, ist es eine unumstössliche Tatsache, dass Bewegung und die Freiheit der Bewegungen nicht vollständig bestimmt werden können, wenn das sich bewegende Individuum Teil einer Gesellschaft ist.
Bewegung ist gleichzeitig Freude und Lebensenergie, gemeinsame Bewegung noch viel mehr, sie ist symbolisch Ordnung und soziale Kommunikation. In Spielen und allen anderen Authoritätsebenen, wird über Bewegung und gemeinschaftliche Bewegung kommuniziert.

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Was dem Hund seine Sitzübung, also die Hemmung, der Bewegung ist, ist dem Pferd seine Laufübung, also das Auslösen und Anhalten der Bewegung. Der Unterschied besteht darin, dass ein Pferd ein Flucht- und der Hund ein Raubtier ist. Die Tatsache dass physische Kontrolle beim Menschen auch oft soziale Kontrolle heißt, (wir haben sogar Gefängnisse) läßt den Schluß zu, dass das Sozialverhalten des Menschen, auch zu einem beträchtlichen Teil Raubtierverhalten ist.

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Es geht bei der Kontrolle der Bewegung um soziale Kontrolle.
Bleiben wir beim Hund. In jedem Laufspiel, in jedem Raufspiel kommt und wird immer kommen, ein Moment der kurzen Kontrolle. Einer stoppt den anderen kurz, meist mit einem Stüber auf die Schulter oder in dem er vor ihn geht und ihn nicht vorbeiläßt. Laufen-Stopp-wieder Laufen- wieder Stopp. Freilauf, Befehl, Freilauf – Befehl.

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Ein wundervolles, sehr interessantes Spiel, von so viel Bedeutung für die Gemeinschaft. Du bist Hund unter Hunden. Mensch unter Menschen und das schöne ist, du kannst auch Mensch unter Hunden sein. Es ist der Unerfahrene, der stoppen muß, erst später der Lebenserfahrene. Dieses Spiel zeigt wie die Gemeinschaft aufgebaut ist und es macht sehr großen Spaß. RangOrdnung wird mehr über Bewegung, und die Frage wie man den anderen damit beeinflussen kann, als über Kampf geklärt. Wer Bewegungen gut koordiniert an Pferd und Hund bringt, Einflußnahme in Spiel und Arbeitsebene nehmen kann, wird kaum Rangfragen von Seiten des Tieres gestellt bekommen.

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Man sieht es an einem einfachen Prinzip. Alle Pferde der Herde laufen der Leitstute nach, ihre Bewegungen werden übernommen. Gehst du mit deinem Hund an die Schafe wird der Hund während der Ausbildung seine Position an deiner Position und seine Bewegung von deiner Bewegung abhängig machen. Bist du eine Gans oder eine Krähe fliegst du hoch, wenn die Leittiere hochfliegen. Bist du micht der Boss, nimmt niemand deine Bewegungen an, nur gleichrangige tun das und das auch nur im Spiel. Eben so lange wie sie Lust haben, nicht solange du dich bewegst.
Hunde die denken sie könnten mich abblitzen lassen, knalle ich nicht aggressiv auf den Rücken, sie bekommen von mir so lange klug gesetzte Bewegungsangebote, bis sie darauf eingehen. Danach ist das Eis gebrochen und ich kann auch in die Befehlsebene gehen.

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Ähnliches können wir auch zwischen Pferd und Rind (Cutting), oder Hund und Schaf etc. sehen. Teils spielerisch, teils in vollem Ernst. Können sie sich noch an ihre Kindheit und das „fangen spielen“ erinnern? Das freudige Gekreische wenn man erwischt wurde? Später das coole antippen – Gotcha alda – ? Das waren Laufspiele wie alle anderen sozialen Tiere sie auch spielen. gerade Raubtiere haben dabei den Moment des „festhaltens“, der Bewegungskontrolle. Gleich danach geht es wieder in Bewegung weiter. Das soziale Miteinander wird über hemmen und loslassen der Bewegungen gesteuert.
Bewegung und Bewegungsfreiheit sind also in Gesellschaften privilegiert.
Ohne Gesellschaft bleibt es nur Bewegung.
Bewegung ist meist Spiel, die Hemmung der Bewegung meist Befehl.

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Bewegung und die Richtung von Bewegung haben auch immer etwas mit Nähe und Distanz und mit Territorien zu tun, auch dieses einzelne Thema ist nicht von den anderen Grundparametern trennbar.
„Und wenn er aber kommt? – Dann laufen wir davon!“
Kinder die noch in dieser Spielphase sind, können noch schwerlich Beutespiele wie Fußball oder Rugby spielen, da wird die Bewegungskontrolle im Kleinen noch viel sichtbarer. Ähnlich ist es mit den Welpen. „Dann laufen wir davon“ und das „dann fange ich dich“ wird schon geübt. Die Beutekontrolle, die noch viel mehr Koordination erfordert und das Behaupten der Beute  auch  Durchsetzung und Authorität, kommt ab dem Junghundalter. Bei Kindern also auch erst in einer Entwicklungsphase ab ca. 5. -6. Lebensjahr und WIRKLICH erst um 10.-12. Lebensjahr. In diesem Alter beginnt auch beim Menschen endgültig die Rangordnungsphase. Die Hemmung der Bewegung und die Freiheit der eigenen Bewegung ist hier spielerische Vorbereitung auf den Platz den man in der „Jagd des Alltags“ einnehmen wird.

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In der Kontrolle Bewegung und in sozialer Kontrolle an sich gilt das Prinzip:
VOM KLEINEN ZUM GROSSEN.
Bekomme ich den ersten Schritt des Pferdes, de Hundes kontrolliert, bekomme ich auch den 10. Schritt kontrolliert. Ich muß also sehr sehr exakt und genau vermitteln, im sozialen Bereich ist die Nachricht: Bewege dich NICHT. Bis zu dem Punkt an dem man das Signal gibt: jetzt ist die Bewegung frei gegeben.
Wer den ersten Schritt des Hundes aus dem Sitz heraus nicht unter Kontrolle hat und sich vielleicht auch zu schade ist Kontrolle zum Wohl des anderen auszuführen, der braucht sich nicht zu wundern wenn der Hund ihm in den Wald läuft, der Katze, dem Reh hinterher.

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Wer die Kontrolle im Kleinen erwirbt, hat sie auch im Großen. Umgekehrt geht es nie.
Im Alltag heißt das, wir müßen in den Details exakt die Vorgabe machen, Bewegungen die angewiesen werden müßen hier klar umgesetzt werden, dann gibt es nie große Probleme wie Jagen oder weglaufen.

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Wollen sie hier Schaf sein? Ich nicht. Don’t move the Boss.

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Beim Reiten ist es völlig klar, du wirst nie eine Einheit mit dem Pferd bilden, wenn es seine Bewegungen nicht unter deine Kontrolle stellen will. Wer wirklich gut reiten kann und ein gut gerittenes Pferd hat, weiß auch, dass das nichts mit Herrschaft zu tun hat. DAs Pferd wird dich so lange unterrichten bis du weißt wie du es anzusprechen hast. Ein guter Hund macht das mit Dir genau so. Einen guten Hund kann man nicht beherrschen, er lehrt w´dir lediglich wie er geführt werden will. Kein soziales Tier der Welt hat etwas gegen Führung, sie lieben Führung, es muß aber der richtige sein und er muß aufmerksam sein und den Geführten Verstehen. Wenn die Kontrolle klar ist kommt das Vertrauen und mit dem Vertrauen beginnt man die Bewegungen gemeinsam zu koordinieren, erst dann ist es möglich mit dem Pferd zu kommunizieren.

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Mit dem Hund ist es genau das Gleiche. Wenn die Kontrolle keine Frage ist, können sie wundervoll zusammen arbeiten, sie können die Signale des Hundes aufnehmen, darauf reagieren, es herrscht in der gemeinsamen Aufgabe maximale Freiheit. Jeder in seiner Rolle, jeder mit seinen Eigenschaften. Der Hund muß nur wissen wo Kontrolle, wo Führung gegeben wird und wo er selbst Befugnisse hat. Seine Befugnisse sind nach seinem Können und seiner Reife abgesteckt. Ein guter Arbeitshund braucht keinen Befehl, er macht seine Arbeit. Ich mache sie ja schließlich auch und da wir zusammengehören eredigen wir unsere Arbeit nicht für uns selbst, wir erledigen sie für das Rudel, die Herde, die Familie.

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Wenn sie die erste kleine Bewegung nicht kontrollieren können, ist jede Arbeit mit dem Hund frustrierend für beide Seiten. Weil die fehlende Grundvereinbarung überall Sand im Getriebe ist und permanent in der Quere steht.
Wenn die Kontrolle klar akzeptiert ist, ist die Bewegungsfreiheit und Offenheit maximal möglich. Sie können bei einem Hund in der Abeit sofort sehen ob die sozialen Vereinbarungen, Führungs- und Kontrollmechanismen abgefragt sind. Er wird seine Arbeit, frei, entspannt und mit voler Lust tun. Gleiches gilt für das Reiten, es ist sogar für einen Laien sichtbar ob ein Pferd, wegen fehlender Grundvereinbarung gezwungen werden muß nach vorne zu gehen oder ob es nach vorne gehen will, weil es Freude am Miteinander hat.
Bewegung und gemeinschaftliche Bewegung bindet und vertieft Bindung.
Lassen sie sich diese Chance nicht entgehen, ob es Laufspiele oder Bewegungsaufträge sind (Hüten, apportieren, Freiarbeit am Pferd, Join up etc.). Es ist immer das Initiieren und Stoppen der Bewegung, das für uns als Tierhalter wichtig ist. Erst wenn wir das Laufen, das Apportieren auch unterbrechen können, wissen wir dass wir es sind, die dem Rudel vorstehen.

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Bewegung und Laufrichtungen sind ein sehr feiner Code, je besser sie darin sind den zu lesen, je gewandter und geschickter, vor allem, je schneller sie darauf reagieren, desto besser werden auch alle anderen Kommunikationsparameter in das soziale Miteinander eingebaut.
Wenn ich den Nerv habe, im Kleinen völlig klar und konsequent zu sein, habe ich bei den großen Aufgaben keine Probleme.
Wenn ich meinen jungen Hund im Sitz halten kann, er in Führungsarbeiten nicht in den Kontrollbereich gehen, dann kann ich ihn auch 500m weiter an den Waldrand schicken und er wird voll mit mir verbunden bleiben, auch wenn das Reh aus dem Wald herausspringt. Habe ich den ersten Schritt nicht unter Kontrolle, wird er erst gar nicht bis zum Wald laufen, kommt das Reh, wird er sich erst dort verlustieren und dann wieder auftauchen.
Vom Kleinen zum Großen ist das Prinzip.

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Das zweite große Prinzip heißt: Jeder Befehl zu seiner Bewegung.
Erziehung eines Tieres und Beziehungsaufbau klappt dann reibungsfrei, wenn jedem Positionierungs – und Führungsbefehl die dazu passende Bewegung zugegeben wird.
Beispiel: bleiben sie niemals stehen wenn sie „Fuß-laufen“ wollen, dazu müßen sie laufen.
Laufen sie niemals wenn sie wollen dass der Hund stehen bleibt.
Die Bewegung muß passen.  Will ich dass der Hund hinter den Schafen stehen bleibt, bleibe ich auch stehen. Erst wenn der Hund den Auftrag voll erfasst hat, wird das ungültig.

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Bewegung kann jeden anderen Kommunikationsparameter berühren.
Bewegung kann heißen, ich habe die soziale Rolle des Chefs, ich kann mich bewegen, du nicht, wir müßen nicht schneller als unsere Tiere sein, sie wissen dass sie schneller sind.
Ein Grundprinzip in der Tierwelt ist
Wer bewegt wen, kannst du den anderen bewegen wann du es willst, bist du Chef.
Ein weiteres Grundprinzip in der Tierwelt ist.
Don’t move the Boss.
Wer immer gedacht hat es sei eine gute Idee den Rottweiler dazu zu bringen sich auf ihn zu zu bewegen, weiß was ich meine.

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Denkst du du müßtest dich nicht eingliedern in die Pferdegemeinschaft wirst du getrieben, solange bis du akzeptierst der Distanzierte und der Getriebene zu sein. Erst dann wirst du wieder eingegliedert.
In Hunderudeln wirst du Mobbingspiele über dich ergehen lassen, solltest du aufgenommen werden wollen.
Due wirst auch hier getrieben werden, jedoch wird man dich auch einkesseln und dich immer wieder mobben um dich anzustiften wieder loszurennen, dann wird man dich wieder einkesseln. So lange bis du ruhig bleibst und es akzeptierst.

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Bewegung ist auch Körpersprache, es zeigt wer wir sind, was wir können, es ist bei den Lauftieren Pferd, Mensch und Hund Ausdruck von Freude, von Freude am Leben und an der Gemeinschaft.
Wir können die Bewegung des anderen aufnehmen und uns anstecken lassen und zusammen laufen.
Schauen sie sich den Film des gemeinsamen Laufens mit Duncan und Ida an. Frei, ohne Zaun, Pferd, Mensch und Hund. Es zeigt: wir gehören zusammen.

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Bewegung kann zeigen wer man ist und was man darf.
Bewegung ist vor allem eines: KOMMUNIKATION
Soziale Sprache.

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